Musical Neckartenzlingen

Von Anja Weiß, 01. Juli 2019, 07:01 Uhr•Neckartenzlingen

Teuflisch Gut: Uraufführung des Familienmusicals Rocco

Fast ein Jahr Arbeit steckt in dem Familienmusical „Rocco – der kleine Teufel von nebenan“. Wer am Samstag eine der beiden Aufführungen in der Neckartenzlinger Melichiorfesthalle miterlebt hat, den dürfte das kaum wundern. Denn alles an dem Stück ist selbstgemacht: Svetlana Hacker von der Eninger Ballettschule „Dance Performance“ hat sich nicht nur die Geschichte ausgedacht und die Texte niedergeschrieben (unterstützt von der Reutlinger Kinderbuchverlegerin Simone Härter), sondern auch die Choreografien wurden von ihr erarbeitet. Der dritte Macher im Bunde ist der Musiker Gabriel Lungoci, der die Musik komponiert hat. Sie wollten kulturell etwas bewegen und ein Musical für die ganze Familie umsetzen, so die Intention des Trios.

Aus dem ganzen Landkreis

Viele Kinder und Jugendliche konnten von dem Vorhaben überzeugt werden: Rund 60 Akteure zwischen fünf und 16 Jahren tummeln sich auf der Bühne. Die Kleinsten stellen Insekten dar, Bienen oder Schmetterlinge, die nächste Altersgruppe sind die Elfen, die Größeren stellen dann entweder die Schulklasse, die Familie Teufel, die dunklen Mächte oder das tapfere Mädchen Rosa dar, die den Kampf mit der höllischen Familie aufnimmt. Gleich vorweg: Die Leistung alle Beteiligten ist grandios, sie singen und tanzen hochkonzentriert, die Texte sitzen bis auf den letzten Buchstaben und alle füllen ihre Rollen mit Feuereifer aus. Die Musik ist ebenfalls abwechslungsreich, ob Jazz- oder Bluesklänge, klassische Töne, fetzige Songs oder Gänsehautlieder: Alles ist dabei. Die Geschichte erzählt vom Kampf Gut gegen Böse, und das äußerst pfiffig und modern.

Besonders beeindruckend sind der kleine Rocco und das Mädchen Rosa, sowie die Erzählerin Valeria Seifert, die durch die spannende Geschichte führt. Der Protagonist Serge Anoumou ist trotz seiner erst neun Jahre schon ein langjähriger Bühnenprofi: Er tanzt, seit er zwei ist und seit vier Jahren singt er im Knabenchor „Capella Vocalis“. Wie ein Musica-Routinier bewegt er sich auf der Bühne, singt, spielt sein Rolle, tanzt, schlägt Rad und führt andere Akrobatik auf. Aber auch das Mädchen Rosa, Darja Hacker, zeigt eine bemerkenswerte Leistung, sie ist die zarte Seele, die einzige, die keine bösen Gedanken hegt und der darum der Sieg gegen die Teufel gelingt.

Rund 500 Besucher sind an diesem Hochsommertag zu den beiden Vorstellungen gekommen. „Wir sind zufrieden“, betont Simone Härter. Zwar gab es noch viele freie Plätze, aber damit haben sie gerechnet, sagt Härter. Schließlich sei aller Anfang schwer und es müsse sich erst einmal herumsprechen, was hier geboten wird. Ein Musical mit lauter jungen Mitwirkenden aus dem gesamten Landkreis und darüber hinaus, das in seiner Umsetzung hochprofessionell ist. Auch das Bühnenbild mit vier unterschiedlichen Orten (vom teuflischen Wohnzimmer bis zum Rosengarten) ist etwas ganz Besonderes. So kann das Fazit nur lauten: „Teuflisch gut“ dieses Familienmusical rund um den kleinen Rocco und das Mädchen Rosa.

Nach diesen beiden Vorführungen geht es erstmals in die Sommerpause, und dann wird es im Herbst sicher weitere Vorführungen geben, zudem soll das Musical eventuell als Buch mit Noten und Texten erscheinen, damit auch andere Gruppen oder Schulen es aufführen können.

Darum geht’s in dem Familienmusical

Die Geschichte In dem kleinen, friedlichen Städtchen ist plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes die Hölle los. Familie Teufel hat sich in dem alten Haus eingenistet und bringt nun das geregelte Leben der braven Bürger ziemlich durcheinander. Ihr Sohn Rocco soll die Kinder in der Schule gegeneinander aufbringen. Doch damit nicht genug. Das Stadtfest im Rosengarten steht kurz bevor und Familie Teufel will dies zum Anlass nehmen, das Fest zu ruinieren und die Stadtbewohner mit bösen Gedanken zu verderben. Kann das mutige Mädchen Rosa zusammen mit den Elfen den bösen Plan vereiteln?

Auftritt

Rocco, der kleine Teufel von nebenan: Von Teufeln und Elfen

60 Kinder und Jugendliche zeigen ein Familienmusical und setzen ein Zeichen fürs Miteinander

Von Mara Sander 02.07.2019 15:00

Die Geschichte und Liedtexte zu »Rocco, der kleine Teufel von nebenan« stammen von Svetlana Hacker von der Eninger Ballettschule »Dance Performance«, die Musik dazu komponierte Gabriel Lungoci. FOTO: SANDER


ENINGEN/NECKARTENZLINGEN. Wer Bedenken hatte, dass im Familienmusical »Rocco, der kleine Teufel von nebenan« etwa das Böse und Hinterlistige verherrlicht werden könnte, erlebte genau das Gegenteil in der Neckartenzlinger Melchiorhalle. 60 Kinder haben gekonnt mit Texten, Tanz und Gesang bewusst gemacht, dass es wichtig ist, das Böse mit dem Guten zu besiegen. Dabei überzeugten sie sowohl tänzerisch als auch gesanglich und darstellerisch.


Sie zeigten auf, dass ein kleiner Teufel, in jedem Menschen steckt. Wer hat nicht mal Gedanken und Gefühle von Abneigung, Angst, Wut, Neid und Ärger in sich und würde am liebsten mit der Faust auf den Tisch schlagen in manchen Situationen? Wer kennt nicht Tricks und hat noch nie Enttäuschungen und Niederlagen erlebt, sich ausgegrenzt gefühlt oder sich zumindest im Nachteil geglaubt?


Svetlana Hacker von der Eninger Ballettschule »Dance Performance«, von der Geschichte und Liedtexte stammen, kooperierte mit Simone Härter vom Härter Kinderbuch-Verlag Reutlingen. Beide scheuten nicht vor Themen wie Hinterlist, Hass, Mobbing, Ausgrenzung, Gewalt und anderen negativen Eigenschaften zurück, sondern gaben inhaltlich Impulse, um Ängste vor bösen Absichten und Taten durch gutes Denken und Handeln überwinden zu können.


Schlechte Gedanken eingefangen


Mit der dazu von Gabriel Lungoci komponierten und arrangierten Musik und der Choreografie der Ballettschule setzten die Ballett- und Gesangsschüler das Ganze vor den Bühnenbildern von Cyrus Naimi in Szene.


Das »Märchen« hatte Realitätsbezug: In einem kleinen, friedlichen Städtchen war plötzlich im wahrsten Sinne des Wortes der Teufel los, denn böse Gedanken und Taten der Familie Teufel, die neu dazu kamen, brachten das geregelte Leben gehörig durcheinander. Das fing schon in der Schule an, wo Sohn Rocco für Aufregung sorgte, und setzte sich fort bis zum Stadtfest, das gestört werden sollte.


Sehr eindrucksvoll dabei die symbolische Szene, jeden schlechten Gedanken der Menschen in einer Dose einzufangen, die, wenn der kleine Teufel von nebenan sie öffnen würde, die guten Menschen verderben könnten, weil sie davon überschüttet würden. Werte wie Frieden, Miteinander statt Gegeneinander, Wertschätzung, Toleranz, Gerechtigkeit und Zusammenhalt kamen auf unterhaltsame Weise deutlich zum Ausdruck, um Grenzen gegen Gewaltbereitschaft, Hass, Verachtung oder Ausgrenzung zu setzen.


Die 60 Kinder und Jugendlichen zeigten beachtliche Leistungen. Sie hatten ein Jahr jedes Detail geprobt und hatten sichtbar Freude an der Umsetzung. Mit anderen Worten war es eine mehr als gelungene Premiere für alle Beteiligte und dem erste Musical könnten durchaus weitere folgen. Jedes Kind hatte die passende Rolle, war wertvoll, sei es als Elfe, Schmetterling, Katze, Biene, Marienkäfer, Grashüpfer oder eben »Rocco«. Für die Akteure war es außerdem eine gute Gelegenheit einmal anders aufzutreten als unter Wettkampfbedingungen. (GEA)

Von Anja Weiß, 18.05.2019

Ein märchenhaftes Musical mit Tiefgang

Region: Es ist ein Mammutprojekt, das am 29. Juni in der Melchiorhalle auf die Bühne kommt. Mehr als 60 Kinder und Jugendliche bieten mit dem Musical „Rocco“ Zauber, Tanz und eine märchenhafte Geschichte. Das Besondere: Es wurde alles selber entwickelt.

Die Idee, ein eigenes Musical zu schreiben, treibt Svetlana Hacker schon lange um. Vor einigen Jahren hat sie damit begonnen und zwei Szenen verfasst. Dann aber ging es nicht mehr weiter. „Es war einfach ein unbekanntes Gebiet für mich“, sagt sie heute im Rückblick. Das begonnene Werk landete in der Schublade und schlummerte dort einige Zeit vor sich hin. Doch richtig losgelassen hat es die Betreiberin der Tanzschule „Dance Performance“ aus Eningen nie mehr. Sie kam in Kontakt mit Simone Härter vom gleichnamigen Kinderbuchverlag, die sich sofort begeistern ließ für ein derartiges  Vorhaben. Sie hat nicht nur Kinder- und Kochbücher im Verlagsprogramm, sondern auch Bücher mit Noten und Melodien, passender könnte es also nicht sein. „Sie hat mit gezeigt, wie es funktioniert“, sagt Hacker lachend. Als Dritter im Bunde konnte der Musiker Gabriel Lungoci begeistert werden, dessen Tochter eine Schülerin von Svetlana Hacker ist. 

Geschichte mit Tiefgang

Damit nahm das Großvorhaben Familienmusical Fahrt auf. Ein Jahr lang haben sie die Geschichte erarbeitet, Texte dazu geschrieben und Melodien verfasst. Alles wurde komplett selbst erschaffen, nichts übernommen. Die Geschichte biete Tiefgang, betonen sie, „es ist Märchenhaftes drin, aber auch viel Wahrheit aus dem wirklichen Leben“. So geht es auch um ernste Themen wie Ausgrenzung und Mobbing. Es treten Elfen auf, Wichtel und andere Sagengestalten. Die Hauptfigur ist der kleine Teufel Rocco, der sich mitsamt seiner teuflischen Familie in einem leerstehenden Haus im Rosengarten niedergelassen hat. Die Familie wirbelt das Leben in der Kleinstadt Rosengarten komplett durcheinander, Rocco will die Schüler in der Schule gegeneinander aufbringen, und damit nicht genug: Familie Teufel will das bevorstehende Stadtfest ruinieren und die Einwohner mit bösen Gedanken verderben.  Doch da tritt das mutige Mädchen Rosa auf den Plan, um dies gemeinsam mit den Elfen und ihren magischen Kräften zu verhindern.

Mehr als 60 Kinder und Jugendliche konnten für einen Auftritt gewonnen werden, sie singen, schauspielern und tanzen. Die jüngste Darstellerin ist gerade mal fünf Jahre, die älteste 16. Sie kommen aus dem gesamten Landkreis, und sogar vom Nachbarkreis Tübingen. Mit dabei sind auch preisgekrönte Schüler von Svetalana Hacker, mehrfache deutsche und Europameister in den Sparten Ballett und Showdance. „Die Kinder lieben das, was sie tun“, erzählt Hacker. Sie üben voller Eifer, obwohl es wahnsinnig zeitaufwändig ist. Zwei bis drei mal pro Woche stehen Proben an, seit einem Jahr laufen die Vorbereitungen. Viele Eltern bringen sich ebenfalls ein, erzählt Simone Härter, sie helfen bei der Dekobeschaffungs fürs Bühnenbild oder beim Anfertigen der Kostüme.

Auch für den Komponisten Gabriel Lungoci war’s eine enorme Herausforderung. Zwar musiziert er seit frühester Kindheit und hat schon in etlichen Bands gespielt, aber ein ganzes Musical zu verfassen, war Neuland für ihn. Stilistisch wollte er sich nicht festlegen, es gibt Klänge aus Standardtänzen wie Walzer oder Tango, aber auch eher Rockiges oder Melodiöses, „wir haben viele Zutaten gemischt“, sagt Lungoci. Die Musik spielt er bei den Aufführungen dann per Mididaten ein, für das Licht wurde ein Techniker vom Zimmertheater in Tübingen gewonnen.

Die zwei Erstaufführungen sind in der Neckartenzlinger Melchiorhalle, „die hat eine tolle Atmosphäre“, betont Simone Härter. Nach der Sommerpause könnten dann weitere Aufführungen folgen und auch ein Musicalbuch mit allen Texten und Noten liegt durchaus im Bereich des Denkbaren. „Wir denken das richtig groß, denn es steckt viel Potenzial in dem Musical“, ist Härter überzeugt.

Info

Zwei Vorstellungen „Rocco, der kleine Teufel von nebenan“
gibt es am Samstag, 29. Juni, in der Melchiorhalle in Neckartenzlingen.
Eine um 11 und eine um 16.30 Uhr, Einlass ist eine Stunde früher.
Danach haben sich noch weitere Überraschungen einfallen lassen.


Karten im Vorverkauf gibt es über
www.rocco- teufel.de/kontakt,
Telefon (0152) 3 403 53 41 oder
www.easyticket. de


Die drei Initiatoren des Familienmusicals Svetlana Hacker Geboren und aufgewachsen in Russland, begann sie mit sieben Jahren mit rhythmischer Sportgymnastik. Es folgte eine mehrjährige Ausbildung in einer Sportschule in den Bereichen Gymnastik, Ballett, Akrobatik und Tanz. Nach erfolgreicher Laufbahn als Leistungsgymnastik wechselte sie in den tänzerischen Bereich. Vor einigen Jahren eröffnete sie die Schule für Ballett, Gymnastik & Kunst „Dance Performance“ in Eningen. Die Schule konnte sich mehrfach auf nationalen sowie internationalen Wettbewerben erfolgreich etablieren.


Gabriel Lungoci ist in Rumänien geboren und besuchte schon im Alter von sieben Jahren die Musikschule in seiner Heimatstadt Suceava, wo er Geigenunterricht nahm. Später lernte er von seiner älteren Schwester, die selbst als Musikerin bekannt war, Gitarre spielen. Als Teenager gewann er Preise bei Musikwettbewerben und spielte als Gitarrist und Sänger in mehreren Bands. Später widmete er sich dem Studium der Psychologie und Soziologie, arbeitete aber nebenbei als musikalischer Redakteur bei einem Radio- und Fernsehsender, komponierte Musik für Musikprojekte und Werbeauftritte. Außerdem gehörte er zum Team des Kindertheaters in Bacau, Rumänien. In Deutschland wirkte er bei verschiedenen musikalischen Projekten mit.


Simone Härter Sie holte nach sechs Jahren Bürojob das Abitur am Abendgymnasium nach und studierte zunächst BWL. Dank ihrer ersten Tochter grub sie alte Bilderbücher aus, verschlang alles, was nach gutem Kinderbuch roch und begann begeistert selbst Geschichten zu schreiben. Sie machte sich auf die Suche nach gleichgesinnten Künstlern und gründete im Jahr 2006 den Härter- Kinderbuchverlag. Zwischenzeitlich führt sie ein etabliertes Programm mit Musical- und Kinderbüchern, Hörspielen sowie Koch- und Backbüchern.